Das schiff ruft


Die Suche

Im Jahr 2015 fing alles an. Noch mitten in der Entstehung meiner Bachelor Arbeit zum Thema "Video on Demand" suchte ich nach interessanten Jobs. Gar nicht so leicht wie sich anfangs zeigte. Referenzen? Nicht viele. Berufserfahrung? "Ich hab die Hochzeit meiner Cousine gefilmt, als Video Operator auf der Musikmesse gearbeitet und konnte schon im Studium viel praktische Erfahrung sammeln." reicht leider nicht aus. Praktika zu bekommen ist ebenso schwer. Die meisten Unternehmen bieten nur Stellen für Pflichtpraktika an.

Aber es ist nicht nur so, dass Unternehmen Anforderungen stellen sondern hat man selbst auch gewisse Wünsche an einen Job. Für mich stand ganz klar fest: Kein Schreibtischjob. Bei Recherchen bin ich dann auf den Beruf des Bordfotografen und Bord Video Operator gestoßen. In Deutschland gibt es die zwei großen Anbieter TUI (Cruise Vision TV) und AIDA.

Bei beiden habe ich mich beworben und durfte mich persönlich Vorstellen. Letzten Endes habe ich mich für TUI entschieden, da ich mich dort wohler gefühlt habe.

 

Innerhalb von nur ca. 6 Wochen ging es auf die Mein Schiff 3. In der Zwischenzeit musste noch viel organisiert werden. Gültiger Reisepass, Impfungen, Tuberkulosetest und die Seediensttauglichkeit.

 

Endlich geht's los

Am 19.04.2015 ging die große Reise endlich los. Mit dem Flieger ging es von Frankfurt nach Valletta (Malta) wo ich auf der Mein Schiff 3 anheuerte und diese für die kommenden 4 Monate mein Zuhause war. 

 

Die ersten Tage waren, um es kurz zu sagen, extrem anstregend. Der erste richtige Job, neue Umgebung, weit weg von Zuhause, neue Leute aus über 40 Nationen. Man muss innerhalb der ersten paar Tage den Job und das Schiff kennen lernen, zudem neben der Arbeit noch Trainings absolvieren, welche einen für den Ernstfall an Bord vorbereiten. Nach zwei Wochen ist der große Stress dann aber vorbei und man kann sich komplett auf seinen Job konzentrieren.

Der Job

 "Was macht man als Bordfotograf eigentlich und wie sieht dein Arbeitstag aus" war die am häufigsten gestellte Frage von Freunden und Familie. Knapp dahinter lag "Wie lebt man an Bord? Wie ist die Unterbringung und das Essen?". Für Außenstehende ist der Job exotisch. Für einen selbst nach den ersten paar Wochen Normalität. 

 

Was macht man also nun als Bordfotograf? Man fotografiert die Gäste an der Gangway (wenn sie vom Schiff runter gehen), beim Auslaufen (wenn das Schiff den Hafen verlässt), bei Einlässen zu Events und Shows, in den Restaurants, den Bars, auf dem Pooldeck, bei verschiedenen Shootings und natürlich bei Landausflügen. Außerdem verkauf man die Fotos an die Gäste in der Fotogalerie auf Deck 5.

 

Um etwas von Land und Leuten zu sehen sind Landausflüge natürlich am besten. Allerdings darf man auch hier nicht vergessen, dass es sein Job ist diesen Ausflug zu begleiten und das nicht entspannen heißt. Ganz im Gegenteil man stellt sich den Gästen vor, ist die erste Person die bei einem Fotostop aussteigt und die letzte die wieder einsteigt. Dafür sieht man aber auch eine ganze Menge toller Orte. Ob man nun die Stadtmauer in Kotor bezwingt, Dubrovniks Altstadt von oben sieht, die Akropolis erobert oder klein Venedig auf Mykonos bestaunen darf. Jeder Ort hinterlässt seine eigenen unvergesslichen Eindrücke.

Zum Job gehört nicht nur das Fotos machen sondern auch das Bearbeiten der gemachten Bilder. Fotografiert man morgens die Gangway geht man anschließend in das kleine aber feine Büro und setzt sich an den Rechner. Jedes Bild wird bearbeitet und bekommt eine Nummerierung damit es später im System wiedergefunden wird. Da wir den Gästen die Bilder nicht nur einzeln Anbieten müssen auch regelmäßig neue Collagen, Seekarten oder Zertifikate erstellt werden. Man sollte also auf jeden Fall Erfahrung in Lightroom und Photoshop haben. 

 

Alle die tollen Orte die man sieht wären natürlich nur halb so schön wenn man nicht so ein tolles Team hätte. Das Foto- und Videoteam besteht in der Regel aus 8 bis 10 Leuten. Ein Foto-&Filmteam Manager, zwei Video Operator, ein Promoter und (meistens) drei bis fünf Fotografen.

 

Neben seinem Team hat man aber noch 1000 andere Crewmitglieder die man zum Beispiel beim berühmt berüchtigten Shanty Chor kennen lernen kann. Es wird also nie langweilig!

Ein Arbeitstag hat in der Regel 10 Stunden. Manchmal mehr oder weniger. Je nach dem für was man eingeteilt ist und wie lange ein Ausflug geht verändert sich auch der Arbeitstag. So kann man zum Beispiel von 8 Uhr bis 13 Uhr mit der Gangway beschäftigt sein und arbeitet einen zweiten Block von 18 Uhr bis 23 Uhr. 

 

Die Freizeitgestaltung bleibt einem natürlich selbst überlassen. So kann man die Orte auf eigene Faust erkunden, das nächste Cafe mit Internet suchen (das beste Internet gibt es da wo die Crew sitzt), auf dem Crewdeck entspannen, ins Crewgym gehen, mit Freunden einen Film schauen oder Gesellschaftsspiele spielen, abends in der Crew Bar feiern oder sich in seine Kabine zurück ziehen und schlafen um für die nächste Schicht wieder fit zu sein.

Die Unterbringung

 Auf einem Kreuzfahrtschiff hat man nicht unendlich Platz. Dementsprechend sind die Kabinen für die Crew auch überschaubar aber vollkommen ausreichend. Die meisten Crewmitglieder sind in einer sogenannten Single Share Kabine untergebracht. Das heißt man hat seine eigenen paar Quadratmeter und teilt sich Toilette und Dusche mit seinem Nachbarn.

 

In der Kabine hat man einen Schreibtisch, einen Kühlschrank, einen Kleiderschrank, ein Waschbecken, einen Fernseher und ein Bett zum runterklappen. Als ich das erste mal meine Kabine gesehen habe, habe ich schwer geschluckt und dachte "Hier schläfst du jetzt die nächsten 4 Monate". Aber alles halb so wild. Die meiste Zeit verbringt man außerhalb der Kabine und zum schlafen braucht man nicht viel Platz.

 

Die Kantine für die Crew, die Crew Mess, hat fast durchgehend geöffnet und jeder sollte hier etwas leckeres zu essen finden. Etwas zu trinken oder kleinere Snacks für die Kabine kann man sich im Coffee Shop oder in der Crew Lounge holen. 

Der Dreh- und Angelpunkt der all diese Orte verbindet ist die Autobahn. Hier läuft man sich garantiert mal über den Weg und quatscht kurz wenn man genügend Zeit hat.

Ehe man sich versieht sind 4 Monate rum. Man hat viel erlebt und viel gesehen, unvergessliche Erinnerungen gesammelt. Neue Freunde aus den verschiedensten Ländern gewonnen. Ne Menge Spaß gehabt, oft zu wenig geschlafen und zu viel gearbeitet. Durchschnittlich zehn Stunden, sieben Tage die Woche, 4 Monate lang. Dennoch war es die Zeit meines Lebens und dabei war das nur der erste Vertrag. Eigentlich sollte es auch bei einem bleiben...

 

Mittlerweile bin ich drei Verträge gefahren und mache jetzt ermal eine kleine Pause vom Schiffsleben.

Ich durfte bei der Taufe der Mein Schiff 5 dabei sein, Stundenlang von der Adlerkehre in den Geirangerfjord schauen, ins Bernsteinzimmer, das Nordkap bestaunen. Ich habe Stonehenge gesehen, Gärten und die Küste Südenglands erkundet. War in Städten wie Paris, Dublin, Lissabon, Amsterdam oder Sankt Petersburg. Habe den Atlantik auf dem Seeweg überquert, an und nicht von karibischen Stränden geträumt, Flamingos, Schildkröten und Kolibris gesehen, in Korallenriffen geschnorchelt, mit dem Golfkart über Bonaire gedüst, gesehen wo das Karibischemeer auf den Atlantik trifft, den Karneval auf Martinique erlebt, bis tief in die Nacht auf dem Crewdeck gesessen und in den Sternenhimmelgeschaut und Menschen getroffen die ich mittlerweile meine Freunde nennen darf. #crewlove

Wenn du Fragen zum Leben und Arbeiten an Bord hast schreib mir eine Nachricht. Ich helfe gerne weiter!

 

Interessiert am Job des Bordfotografen, Video Operator oder Promotor? Schau doch mal bei CruiseVision TV vorbei!

Interessiert an einem anderen Job an Bord? Dann schau bei Seachefs vorbei!

 

Eure Hanna